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(Morgen-)Runde zur Prozesssteuerung im Seminar

Die Morgenrunde bezeichnet einen Gesprächsrahmen im (mehrtägigen) Seminar, in dem mögliche Konflikte und Verunsicherungen beim gemeinsamen Lernen besprochen werden können. Mit der etwa 30-40-minütigen Morgenrunde wird eine Plattform zur Prozesssteuerung, zum Austausch und zur Konfliktprävention geschaffen. Sie dient insbesondere der Herstellung des Kontakts zwischen Teilnehmern und Seminarleitung und der Klärung von Fragen oder Problemen, bevor sie auftreten können.

  • Autor/in: enym
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Wie ist meine Maßnahme genau beschaffen?

Beim ersten Mal erkläre ich der Gruppe, dass es darum geht, ein gutes Miteinander im Lernen und im Kontakt zu finden. Bei einer kleinen Gruppe mit 7, 8 Leuten bitte ich jeden, etwas zu sagen. Bei großen Gruppen werden Vorreiter bestimmt, bspw. jede/r Dritte. So ist jeder mal dran und es wird vermieden, dass sich Einzelne nach vorne spielen oder andere sich gar nicht einbringen.
Als Seminarleiterin gebe ich vor, was ich wissen will und berücksichtige dabei in der Regel das Kommunikationsquadrat. Ich schreibe auf, welche Aspekte besprochen werden sollen, bspw. Thema, Sache, Befinden, Lernfortschritt, das Miteinander in der Gruppe und mit mir. Ganz ohne Rahmen geht es nicht.
Ablauf einer Morgenrunde:
1. Phase: Teilnehmerinnen erhalten die Gelegenheit, sich zu äußern.
2. Phase: Ergänzungen durch alle anderen. Was ist noch nicht geklärt worden?
3. Phase: Was muss geregelt werden? In Phase 1 und 2 diskutierte Punkte werden ausgehandelt und es werden Vereinbarungen getroffen.
Für eine solche Runde plane ich etwa 30-40 Minuten ein. Es ist günstig, wenn alle sich sehen können.

Verbindung zum klassischen Lehrformat:

  • Vorlesung
  • Seminar
  • Übung
  • Projekt
  • Praktikum
  • Prüfung
  • Selbststudium
  • Vorkurs
  • Sonstiges

Verortung im didaktischen Dreieck

  • Inhalte für die Studierenden auszuwählen, anzuordnen, darzustellen, zu erklären, (digital) aufzubereiten, interaktiv zu machen etc.
  • Studierende methodisch darin zu unterstützen, sich Inhalte (allein oder in der Gruppe) anzueignen, diese zu verstehen, anzuwenden, weiterzuentwickeln, selbst zu generieren etc.
  • Dass ich als Lehrender mit den Studierenden in Kontakt komme und in Interaktion trete (Feedback, Kommunikation etc.)
  • Die Lehrorganisation zu verändern, die für die Beziehung zwischen Inhalten, Studierenden und mir als Lehrender von Bedeutung ist.

Mit dieser Maßnahme werden primär gefördert:

  • Rezeptive Aktivitäten (dienen dem Lesen, Anschauen, Zuhören)
  • Übende Aktivitäten (dienen dem Ausprobieren, der Routinebildung etc.)
  • Produktive Aktivitäten (dienen der Schaffung eigener Inhalte)
  • Organisatorische Aktivitäten (dienen der Koordination, Vernetzung u.ä.)

Beziehung zur Forschung:

  • Forschung fließ als Inhalt in die Lehrmaßnahme ein, sodass sich Studierende zu Ergebnissen und/oder Prozessen des Forschens kundig machen können
  • Forschung ist das Ziel der Lehrmaßnahme, sodass Studierende das Hand- und Denkwerkzeug für eigene Forschungsaktivitäten einüben
  • Forschung ist der Modus der Lehrmaßnahme, sodass Studierende selbst in irgendeiner Form forschend tätig werden und Forschungsergebnisse generieren
  • Die Lehrmaßnahme dient dazu, die Voraussetzung für forschungsnahes Lernen zu schaffen.
  • Sonstiges
  • Keine

Rolle von digitalen Medien:

  • Keine nennenswerte Rolle, weil es sich primär um Präsenzlehre handelt.
  • Eine gewisse bzw. mäßige Rolle, weil es sich um ein hybrides Lehrformat handelt.
  • Eine zentrale Rolle, weil es sich um Online-Lehre handelt.

Grund

Diese Form der Metakommunikation setzt an, bevor Probleme auftreten, um allen die Gelegenheit zu geben, Einfluss auf das gemeinsame Miteinander zu nehmen – auch im Sinne von Rückmeldung an die Seminarleitung, aber nicht abschließende bewertende Rückmeldung, sondern um frühzeitig Korrekturen vornehmen zu können. Eine Bewertung erst im Nachhinein wäre eine vertane Chance, wenn wir vorher nicht die Gelegenheit hatten, das auszuhandeln.
Es ist eine Prozesssteuerung im laufenden Miteinander-tun. Studierende können dabei auch erleben, dass es um sie und ihren Lernprozess geht.

Grund für die Entwicklung der Maßnahme:

  • Akutes Defizit bzw. akuter Konflikt
  • Bestehendes bzw. strukturelles Problem
  • Vorweggenommene Herausforderung
  • Persönliches professionelles Anliegen
  • Impuls aus meinem Umfeld
  • Sonstiges

Kontext

Bei einer Gruppe von Menschen, die (bspw. im Rahmen eines Workshops oder Blockseminars) fünf Tage hintereinander zusammenarbeiten, kann es vier Morgenrunden geben. Im Hörsaal wirkt sich das anders aus als in kleineren Seminarkursen mit 10, 20 Studierenden. Dann ist das Miteinander natürlich deutlicher sichtbar.
Wenn es eine Lehrveranstaltung an der Universität ist mit 1,5h wöchentlich, 14-mal im Semester, muss man andere Formate finden – bspw. schriftliche Verfahren nach ein paar Vorlesungen. Alles ist erlaubt, was nicht den Eindruck erweckt, es handele sich um eine Abschlussevaluation. Aber da kann man sehr phantasievoll sein, wenn man der Grundüberzeugung folgt, Raum zu schaffen für Metakommunikation.
Es gibt Situationen, in denen man die Morgenrunde bspw. sehr knapp machen würde. In meiner jetzigen Lehrpraxis muss ich das Format modifizieren, aber die Haltung habe ich mir erhalten. Wenn ich Eintagesworkshops leite, kann ich nicht auf den nächsten Morgen warten, dann mache ich zum Beispiel nach der Mittagspause eine solche metakommunikatorische Runde.

Meine Maßnahme ist entstanden und hat sich bewährt an einer:

  • Universität
  • Fachhochschule
  • Dualen Hochschule
  • Pädagogischen Hochschule
  • Sonstiges

Meine Maßnahme ist in folgender Disziplin (oder mehreren) zu verorten:

  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften
  • Ingenieurwissenschaften
  • Sozialwissenschaften
  • Geisteswissenschaften
  • Lehrerbildung
  • Rechtswissenschaften
  • Kunst, Design-Wissenschaften
  • Medizin (inkl. Gesundheitswissenschaften)
  • Interdisziplinäre Bereiche
  • Sonstiges

Die Zielgruppe meiner Maßnahme besteht primär aus:

  • Studieninteressierten
  • Studienanfängern
  • Fortgeschrittenen Studierende im Bachelor (oder ersten Studienabschnitt)
  • Studierende am Ende des Bachelorstudiums (oder ersten Studienabschnitts)
  • Studierende am Ende des Masterstudiums (oder zweiten Studienabschnitts)
  • Doktoranden oder Postdocs
  • Sonstiges

Kräfte

Als Seminarleiterin kann ich dadurch sehen, wie es den Leuten geht. Ich bekomme mit, ob es bspw. zu schnell oder zu langsam vorangeht, ob der Inhalt interessant ist oder schon bekannt; ich bekomme Indikatoren dafür, was für die Studierenden jetzt gut wäre oder was nicht gut wäre. So bekomme ich im offiziellen Rahmen mit, wie es den Leuten geht, muss nicht mutmaßen, Mimik und Gestik interpretieren oder Einzelne ansprechen in der Pause.
Das langsame Innehalten, mal auf den Prozess schauen, erzeugt bei manchen Arten von Studierenden eine hohe Irritation, wenn es diametral ist zu ihrer sonstigen Lehr-/Lernweise (s. Kräfte). Hier wird aber auch etwas gelernt, was später gebraucht werden kann.
Es ist das Instrument zur Konfliktprävention, denn wenn alle davon ausgehen können, dass es regelmäßig einen Ort gibt, wo man Dinge ansprechen kann, dann kann alles rechtzeitig im Rahmen der (Morgen-)Runde thematisiert werden. Es ist eine Übung, Dinge zu besprechen, solange sie noch nicht ganz so schlimm sind, damit man schneller wieder arbeitet – was nicht heißt, dass jeder Konflikt bis ins Letzte in der (Morgen-)Runde ausgetragen wird.
Nach einer Morgenrunde kann manchmal kurzzeitig ein Moment der Verunsicherung herrschen: „Alles, was ich hier mache, wird auf die Goldwaage gelegt, alles wird gesehen – oh Gott!“
Der nächste Effekt ist, dass die Gruppe zusammenwächst. Man darf nicht vergessen, dass es keine Wohngemeinschaften sind, sondern Lerngruppen auf Zeit. Nach einer Morgenrunde merken manche, dass man kann ja auch mal mit den anderen arbeiten kann.

Widersprüchliche Anforderungen, die bei der Maßnahme eine Rolle spielen:

  • Selbst- und Fremdorganisation
  • Lernen durch Zuhören/Lesen/Zusehen und Lernen durch eigenes Tun
  • Analogen und digitalen Erfahrungswelten
  • Individuellem und sozialen Lernen
  • Fachlicher undüberfachlicher Kompetenzentwicklung
  • Exemplarischen und vollständigen Lerninhalten
  • Fachsystematischen und lernsystematischen Vorgehensweisen
  • Sonstige
  • Keine

Wirkungen

Als Seminarleiterin kann ich dadurch sehen, wie es den Leuten geht. Ich bekomme mit, ob es bspw. zu schnell oder zu langsam vorangeht, ob der Inhalt interessant ist oder schon bekannt; ich bekomme Indikatoren dafür, was für die Studierenden jetzt gut wäre oder was nicht gut wäre. So bekomme ich im offiziellen Rahmen mit, wie es den Leuten geht, muss nicht mutmaßen, Mimik und Gestik interpretieren oder Einzelne ansprechen in der Pause.
Das langsame Innehalten, mal auf den Prozess schauen, erzeugt bei manchen Arten von Studierenden eine hohe Irritation, wenn es diametral ist zu ihrer sonstigen Lehr-/Lernweise (s. Kräfte). Hier wird aber auch etwas gelernt, was später gebraucht werden kann.
Es ist das Instrument zur Konfliktprävention, denn wenn alle davon ausgehen können, dass es regelmäßig einen Ort gibt, wo man Dinge ansprechen kann, dann kann alles rechtzeitig im Rahmen der (Morgen-)Runde thematisiert werden. Es ist eine Übung, Dinge zu besprechen, solange sie noch nicht ganz so schlimm sind, damit man schneller wieder arbeitet – was nicht heißt, dass jeder Konflikt bis ins Letzte in der (Morgen-)Runde ausgetragen wird.
Nach einer Morgenrunde kann manchmal kurzzeitig ein Moment der Verunsicherung herrschen: „Alles, was ich hier mache, wird auf die Goldwaage gelegt, alles wird gesehen – oh Gott!“
Der nächste Effekt ist, dass die Gruppe zusammenwächst. Man darf nicht vergessen, dass es keine Wohngemeinschaften sind, sondern Lerngruppen auf Zeit. Nach einer Morgenrunde merken manche, dass man kann ja auch mal mit den anderen arbeiten kann.

Links

Literatur

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