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Open Pattern Tool for Higher Education Research and Practice - PatternPool ISSN 2628-829X

Webquest zur Vorbereitung von forschendem Lernen und offenem Experimentieren

Zur Vorbereitung auf ein Laborpraktikum lösen Studierende in Gruppen selbstständig Aufgaben eines Webquests. Die Aufgaben bereiten inhaltlich auf die anstehenden Experimente vor. Im Verlauf der Recherche generieren die Studierenden Forschungsfragen, die dann im Anschluss im Praktikum  bearbeitet werden.

Metadaten

  • Autoren/-innen: Dorothea Ellinger
  • Mentoren/-innen: Eileen Lübcke, Ivo van den Berk
  • DOI: Keine DOI zugeordnet
  • ISSN: 2628-829X
  • CC-Lizenz: CC-BY (Bearbeitung erlaubt unter Namensnennung)
  • Zitiervorschlag:
    Dorothea Ellinger (2019): Webquest zur Vorbereitung von forschendem Lernen und offenem Experimentieren. Hamburg: PatternPool.

Eigenschaften der Maßnahme

Damit die Studierenden sich durch selbstständige Recherche auf die Laborexperimente vorbereiten aber auch eigene (Forschungs)fragen entwickeln konnten, wurde auf einer Lernmanagementplattform ein WebQuest erstellt.
Das WebQuest bestand aus drei Aufgaben. Diese konnten je nach Interesse der Kleingruppen (2-4 Studierende) in beliebiger Reinfolge, vollständig oder auch unvollständig, bearbeitet werden. Am Ende trugen alle Kleingruppen ihre Rechercheergebnisse in Form von Antworten auf die Fragen, offen gebliebenen Fragen und ihren eigenen Fragen an das Thema zusammen. So entstand ein umfängliches Bild über das vorhandene Wissen und allen offenen Fragen zu dem Thema sowie den Experimenten Auch so manch Unerwartetes wurde so für alle zugänglich gemacht.
Die Recherche fand in Präsenz im PC-Pool der Biologie statt und gliederte sich wie folgt: 8 Stunden Recherche (inkl. Pause) in Kleingruppen, 3 h Zusammenfassung und Austausch und 1-2 Stunden Diskussion der Ergebnisse und daraus abgeleitet die Planung der Experimente (wer macht was warum in den kommenden 3 1/2 Tagen im Labor).
Die Ergebnisse des WebQuest wurden in einer PowerPoint-Präsentation gesammelt. Diese immer wieder in den Experimenten rausgeholt, sich darauf bezogen (Warum macht wer gerade wie welches Experiment) und die Ergebnisse der Experimente diskutiert.
Alle Studierenden konnten darüber hinaus die eigenen Ergebnisse und die der anderen Kleingruppen für den Einleitungsteil ihrer Protokolle verwenden bis dahin, dass alle Gruppen den gleichen Text abgeben durften, wenn er die Rechercheergebnisse aller enthielt.

Verbindung zum klassischen Lehrformat:

  • Vorlesung
  • Seminar
  • Übung
  • Projekt
  • Praktikum
  • Prüfung
  • Selbststudium
  • Vorkurs
  • Sonstiges

Verortung im didaktischen Dreieck

  • Inhalte für die Studierenden auszuwählen, anzuordnen, darzustellen, zu erklären, (digital) aufzubereiten, interaktiv zu machen etc.
  • Studierende methodisch darin zu unterstützen, sich Inhalte (allein oder in der Gruppe) anzueignen, diese zu verstehen, anzuwenden, weiterzuentwickeln, selbst zu generieren etc.
  • Dass ich als Lehrender mit den Studierenden in Kontakt komme und in Interaktion trete (Feedback, Kommunikation etc.)
  • Die Lehrorganisation zu verändern, die für die Beziehung zwischen Inhalten, Studierenden und mir als Lehrender von Bedeutung ist.

Mit dieser Maßnahme werden primär gefördert:

  • Rezeptive Aktivitäten (dienen dem Lesen, Anschauen, Zuhören)
  • Übende Aktivitäten (dienen dem Ausprobieren, der Routinebildung etc.)
  • Produktive Aktivitäten (dienen der Schaffung eigener Inhalte)
  • Organisatorische Aktivitäten (dienen der Koordination, Vernetzung u.ä.)

Beziehung zur Forschung:

  • Forschung fließ als Inhalt in die Lehrmaßnahme ein, sodass sich Studierende zu Ergebnissen und/oder Prozessen des Forschens kundig machen können
  • Forschung ist das Ziel der Lehrmaßnahme, sodass Studierende das Hand- und Denkwerkzeug für eigene Forschungsaktivitäten einüben
  • Forschung ist der Modus der Lehrmaßnahme, sodass Studierende selbst in irgendeiner Form forschend tätig werden und Forschungsergebnisse generieren
  • Die Lehrmaßnahme dient dazu, die Voraussetzung für forschungsnahes Lernen zu schaffen.
  • Sonstiges
  • Keine

Rolle von digitalen Medien:

  • Keine nennenswerte Rolle, weil es sich primär um Präsenzlehre handelt.
  • Eine gewisse bzw. mäßige Rolle, weil es sich um ein hybrides Lehrformat handelt.
  • Eine zentrale Rolle, weil es sich um Online-Lehre handelt.

Grund

Bei einem Laborpraktikum zeigte sich immer wieder, dass den Studierenden das Praktikum und das Thema am Anfang völlig egal war, sie ihm leidenschaftslos gegenüberstanden, während ich und mein Vorgesetzter es für das wichtigste Praktikum und das wichtigste Thema überhaupt hielten. Daher hatte sich nur ein Teil der Studierenden auf den Inhalt und/oder den Ablauf der Experimente vorbereitet und den Studierenden fiel es schwer, Bezüge zwischen den Experimenten, der Vorlesung und dem begleitenden Seminar zu ziehen. Die Einführung einer aktiven Recherchephase sollte diese fehlende Vorbereitung ausgleichen, die Experimente mit der aktuellen Forschung meiner Arbeitsgruppe verbinden und Studierende für das Thema motivieren.

Grund für die Entwicklung der Maßnahme:

  • Akutes Defizit bzw. akuter Konflikt
  • Bestehendes bzw. strukturelles Problem
  • Vorweggenommene Herausforderung
  • Persönliches professionelles Anliegen
  • Impuls aus meinem Umfeld
  • Sonstiges

Kontext

Es war ein molekularbiologisches Praktikum, das sowohl mit BA-Studierenden des Studiengangs Biologie als MA-Studierenden des Studiengangs Molecular LIfe Science durchgeführt wurde. Die kleinste Gruppe, die das Webquest durchgeführt hat, waren 16 Studierende, die größte hatte 32 Teilnehmer.

Meine Maßnahme ist entstanden und hat sich bewährt an einer:

  • Universität
  • Fachhochschule
  • Dualen Hochschule
  • Pädagogischen Hochschule
  • Sonstiges

Meine Maßnahme ist in folgender Disziplin (oder mehreren) zu verorten:

  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften
  • Ingenieurwissenschaften
  • Sozialwissenschaften
  • Geisteswissenschaften
  • Lehrerbildung
  • Rechtswissenschaften
  • Kunst, Design-Wissenschaften
  • Medizin (inkl. Gesundheitswissenschaften)
  • Interdisziplinäre Bereiche
  • Sonstiges

Die Zielgruppe meiner Maßnahme besteht primär aus:

  • Studieninteressierten
  • Studienanfängern
  • Fortgeschrittenen Studierende im Bachelor (oder ersten Studienabschnitt)
  • Studierende am Ende des Bachelorstudiums (oder ersten Studienabschnitts)
  • Studierende am Ende des Masterstudiums (oder zweiten Studienabschnitts)
  • Doktoranden oder Postdocs

Kräfte

1. strukturellen Herausforderungen: PC-Pool mit ausreichend Platz, wo wir unter uns waren, auch mal laut werden konnten (spontane Gruppendiskussionen mit allen über die Plätze hinweg) und Gefundenes ausdrucken konnten
2. Inhaltlich curriculare Herausforderung:
o Um angemessene Aufgaben für das Webquest zu entwickeln, muss man sich seiner eigenen Arbeitsweise bewusst werden. Daher habe ich mich selbstaber auch unsere Doktoranden befragt, wie ihre Rechercheschritte explizit aussehen, welche Tools und Plattformen sie nutzen, wo sie welche Information finden und wie sie diese zu einem Forschungsdesign (oder einer ersten Idee von Experimenten) verbinden.
o den Spielraum, den ich bekam, indem ich auch in fremden Vorlesungen und Seminaren Bezüge zum Webquest unterbringen konnte.
o die Aufgeschlossenheit von meinem Chef und den anderen Lehrenden der Abteilung der Idee gegenüber, dass es vor allem um die Vermittlung von Forschungskompetenzen geht, so dass wir uns in der Arbeitsgruppe auf eine Mindestanzahl an Experimenten einigen konnten, deren Methoden bereits den Studierenden bekannt war. Zuvor ging es eher um die Abarbeitung einer vorgegeben Menge an Methoden oder molekularbiologischen Techniken.
o über genügend Geld zur Ausstattung des Praktikums zu verfügen (ich konnte teure Chemikalien/Kits kaufen, welche die Experimente beschleunigten und so teilweise den Zeitverlust durch die Recherche ausgeglichen)
3. Persönliche Herausforderung für Studierende: Studierende müssen erkennen, dass es im Forschungsprozess nicht nur um erfolgreiche Experimente geht, sondern dass auch fehlgeschlagene Experimente einen bestärken können. Es geht um die Entwicklung einer forschenden Haltung.

Widersprüchliche Anforderungen, die bei der Maßnahme eine Rolle spielen:

  • Selbst- und Fremdorganisation
  • Lernen durch Zuhören/Lesen/Zusehen und Lernen durch eigenes Tun
  • Analogen und digitalen Erfahrungswelten
  • Individuellem und sozialen Lernen
  • Fachlicher undüberfachlicher Kompetenzentwicklung
  • Exemplarischen und vollständigen Lerninhalten
  • Fachsystematischen und lernsystematischen Vorgehensweisen
  • Sonstige
  • Keine

Wirkungen

positive Wirkung:
• gute, interessierte und mit einer schnellen Auffassungsgabe gesegnete Studierende wurden weiter gefördert,
• Studierende für ein Thema begeistert,
• wir hatten danach mehr Kandidaten für Abschlussarbeiten als wir annehmen konnten
negative Wirkung:
• Studierende die mit dem Handwerkszeug (bspw. Berechnen von Konzentrationen, richtiges Pipettieren, eigenes Zeitmanagement) nicht klar kamen, konnten das Gefühl bekommen, abgehängt zu werden (waren bspw. bis zu 2 Stunden länger im Labor oder deren Versuche klappten nicht),
• Studierende, die das Scheitern noch nicht als Teil von Forschung verstanden hatten, sondern es persönlich nahmen, waren am Ende beleidigt, wenn etwas nicht klappt und gingen mit einem schlechten Gefühl raus

Beispiele/ Weiterführende Informationen

Weiterführende Literatur

Ellinger, D. (2017) Forschen lernen durch Forschendes Lernen: praktische Umsetzung und Beschränkungen in einem molekularbiologischen Praktikum. In: D. Bücker, V. Dander, A. Gumpert, S. Hofhues, U. Lucke, F. Rau (Hg.): "Trendy, hip und cool". Auf dem Weg zu einer innovativen Hochschule? Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag (Blickpunkt Hochschuldidaktik, 130), S. 191–204.

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