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Open Pattern Tool for Higher Education Research and Practice - PatternPool ISSN 2628-829X

Feedback zum Feedback im E-Learning

Für eine transparente und wertschätzende Feedback-Kultur ist nicht nur das Einholen von Feedback wichtig, sondern auch eine zeitnahe und vor allem transparente Reaktion darauf, als Feedback zum Feedback. Wiederholt und wechselseitig ausgeführt, entstehen Schleifen aus dem Einholen von Feedback, dem Feedback dazu mit transparenter Reaktion, Feedback zur Reaktion etc. Diese Schleifen lassen sich niedrigschwellig in (a)synchrone E-Learning-Formate integrieren.

Metadaten

  • Autoren/-innen: Kurze, Albrecht
  • Mentoren/-innen: Ulrike Rada
  • DOI: Keine DOI zugeordnet
  • ISSN: 2628-829X
  • CC-Lizenz: CC-BY-ND
  • Zitiervorschlag:
    Kurze, Albrecht (2021): Feedback zum Feedback im E-Learning. PatternPool. doi: noch nicht zugeteilt.

Problem

In E-Learning-Situationen fehlen meist die Möglichkeiten für unmittelbares und niedrigschwelliges Feedback durch die Lernenden, wie sie in Präsenzlehre möglich sind. Zudem können die Reaktionen der Lehrenden auf erhaltenes Feedback unklar bleiben, weil auch diese Rücklaufkanäle schwieriger sind als in Präsenzlehre. Studierende können so ihr Feedback möglicherweise als unwirksam empfinden, was zu Frustration und Resignation bei den Lernenden führen kann.

Anlass für die Entwicklung meiner erprobten Lehrpraxis war:

  • Akutes Defizit bzw. akuter Konflikt

Lösung

Durch explizite (Doppel-) Schleifen aus wiederholt und wechselseitig ausgeführtem Einholen von Feedback und zeitnaher Reaktion mit transparenter Stellungnahme dazu, als Feedback zum Feedback, entsteht eine wertschätzende Feedback-Kultur.

Zusammenfassung in einem Satz

Details

= Feedback einholen =
Ausgangsvoraussetzung ist die Integration expliziter Bausteine zur Erfassung von Feedback in asynchrone und synchrone E-Learning-Formate. Dabei können die konkreten Ausformungen sehr unterschiedlich ausfallen – von schnellen kleinen Formaten bis zu detaillierten Fragebögen. Die folgenden Beispiele sind möglich.

== Feedback einholen in asynchronen Formaten ==
• Eingangsbefragung vor der ersten Sitzung per Fragebogen-Tool; Erfassung von Herausforderung und Erwartungen, anonym mit Fragebogen-Tool
• einheitlicher Basis-Fragebogen am Ende jeder asynchronen Lerneinheit zu Inhalt, Aufgaben, und allgemeinen Punkten, anonym mit Fragebogen-Tool
• fortlaufende Anpassung der Feedback-Fragen, je nach Bedarf und Aufgabenstellung/Arbeitsstand, z.B. zur Gruppenarbeit und zu Feedback-Möglichkeiten selbst
• Forum zur Lehrveranstaltung und Nutzung direkter Kontaktwege, z.B. per Kontaktformular oder E-Mail

== Feedback einholen in synchronen Formaten ==
Die Übertragung bewährter einfacher und schneller analoger Feedbackmethoden in digitale Formate sowie elektronischer Ad-hoc-Voting-Systeme bietet sich an.

• z.B. „Zielscheibe“ für Target-Feedback zu vordefinierten kurzen Fragen in vordefinierter Schablone auf Online-Whiteboard im Mehrbenutzermodus
• z.B. „Blitzlicht“ im Text-Chat, zu einer offenen Leitfrage, wobei die Teilnehmenden ihre Nachricht erst auf Signal am Ende der vereinbarten Zeit gleichzeitig abschicken

= Feedback zum Feedback geben =
Ebenso wichtig wie das Einholen des Feedbacks ist das Reagieren darauf und Rückmeldung dazu, als Feedback zum Feedback. Dies signalisiert den Lernenden als Feedback-Gebenden die Wertschätzung ihres Feedbacks und macht konkrete Reaktionen auf das erhaltene Feedback transparent, z.B. welche Probleme identifiziert wurden und welche konkreten Änderungen es gab. Durch das wechselseitige und explizite Bezugnehmen entstehen geschlossene Feedback-Schleifen, auch zwischen synchronen und asynchronen Formaten. Daher sollten auch solche Elemente zur Transparentmachung explizit integriert und verwoben werden. Die folgenden Beispiele sind möglich.

== Feedback zum Feedback in synchronen Formaten ==
Ergebnisse aus asynchronem Feedback, z.B. aus den Fragebögen, können in synchronen Formaten, z.B. in einer virtuellen Präsenzsitzung, explizit aufgegriffen und ausgewertet werden. Dies sollte ein fester Punkt der Agenda sein, z.B. verknüpft mit dem Rückblick auf die vorausgehende (asynchrone) Lerneinheit. Dabei kann kurz verbal oder auch unterstützt von Auswertungsfolien auf das eingeholte Feedback eingegangen werden.

== Feedback zum Feedback in asynchronen Formaten ==
Ergebnisse aus synchronem Feedback können auch asynchron aufgegriffen werden.
• z.B. in Form eines Beitrags in einem Forum zur Lehrveranstaltung in der Lernplattform
• z.B. in Form eines Blog-Beitrags zur Lehrveranstaltung in der Lernplattform
Im Dateianhang befindet sich ein konkretes Beispiel für eine Schleife aus Feedback holen und Feedback zum Feedback geben.

Das Pattern ist erprobt worden in:

  • Übung

Meine Lösung hat primär damit zu tun:

  • Dass ich als Lehrender mit den Studierenden in Kontakt komme und in Interaktion trete (Feedback, Kommunikation etc.)

Meine erprobte Lehrpraxis steht zur Forschung in folgender Beziehung:

  • Keine

Digitale Medien spielen in meiner Lösung:

  • Eine zentrale Rolle (bspw. reine Online-Lehre).

Das Pattern fördert primär:

  • Organisatorische Aktivitäten (dienen der Koordination, Vernetzung u.ä.)

Kontext

- Übung/Praktikum zur Vorlesung Mensch-Computer-Interaktion mit Fokus auf Erstellung interaktiver Systeme im menschzentrierten Gestaltungsprozess mit großen praktischen Anteilen und konkreter Empirie in Kleingruppenarbeit
- ca. 60 Teilnehmende in 14 Projektteams zu je ca. 4 Teilnehmenden
- heterogene Lerngruppe aus mehr als zehn verschiedenen Studiengängen (Informatik, E-Technik, Wirtschaftsinformatik, Psychologie, Human Factors, Medienkommunikation etc.)
- E-Learning mit Blended Learning als Mischung von asynchronen und synchronen Formaten (Selbstlerneinheiten und virtuelle Präsenzen), weitgehend im Flipped Ansatz (asynchrone Einheit geht virtueller Präsenz zur Auswertung/Vertiefung voraus)

Das Pattern ist erprobt worden an:

  • Universität

Das Pattern ist in folgender Disziplin (oder mehreren) zu verorten:

  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften

Die Zielgruppe des Patterns besteht primär aus:

  • Fortgeschrittenen Studierenden im Bachelor (oder im ersten Studienabschnitt)
  • Studierenden im Masterstudium (oder im zweiten Studienabschnitt)

Folgen

Vorteile:
- Lehrende erhalten schnell, zeitig, niedrigschwellig und kontinuierlich Feedback und können darauf unmittelbar reagieren, was ein didaktisches Nachsteuern erlaubt, auch im E-Learning.
- Unsicherheiten lassen sich minimieren durch wechselseitiges Klarmachen von Herausforderungen und dem Eingehen darauf.
- Unterstützung einer kontinuierlichen Qualitätsentwicklung der eigenen Lehre hin zum Shift from Teaching to Learning durch permanente Weiterentwicklung der Lehre an die Bedürfnisse der Lernenden
- Schließen der Feedback-Schleife wird als Selbstwirksamkeit erlebt, d.h. die Lernenden erkennen, dass ihr Feedback ankommt und beachtet wird; Feedback-Geben wird als sinnvoll erachtet.

Nachteile:
- zusätzlicher Zeitaufwand für beide Seiten (Studierenden und Lehrende)
- Ständiges Abfragen von Feedback kann zu Ermüden bzw. eine Sättigung führen, erkennbar an einer abnehmenden Kurve an Beteiligung über den Semesterverlauf.
- Jede weitere Iteration führt zu weniger neuen Einsichten.
- Andere Evaluationsformate (z.B. summative Lehrevaluationen oder zu Teaching Analysis Polls) werden redundant und als solche ggf. nicht mehr wahrgenommen.
- Reagieren auf Feedback ist nicht immer unmittelbar möglich oder angenehm: stellenweise können Aspekte aus dem Feedback nicht berücksichtigt werden bzw. sind konträre Positionen zu verteidigen (z.B. zu Umfang und Niveau von Aufgaben).

Wirkungen

Kräfte

- Wegfall der Präsenzlehre und Ad-hoc-Umstellung auf E-Learning in der Corona-Pandemie
- Rahmenbedingungen des Lehrens und Lernens im E-Learning: Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden, Kontaktreduzierung, fehlende Synchronizität
- Neuartigkeit des E-Learning-Charakters für beide Seiten woraus Unsicherheiten, ein erhöhter expliziter Feedback-Bedarf und Notwendigkeiten zur Nachjustierung der Lehre noch im Semesterverlauf resultieren.
- Die klassische summative Evaluation am Semesterende ist zu spät, um darauf noch angemessen reagieren zu können.

Welche widersprüchlichen Anforderungen spielen in Ihrer bewährten Lehrpraxis eine Rolle?

  • Selbst- und Fremdorganisation
  • Analoge und Digitalen Erfahrungswelten

Beispiele/ Weiterführende Informationen

Links

  • Es wurden keine Links hinterlegt.

Weiterführende Literatur

Es wurde keine weiterführende Literatur angegeben.

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