Kontext
Im Kontext von Strategieentwicklungsprozessen an Hochschulen ist vorgesehen, dass strategisch gesetzte Themen systematisch in Studium und Lehre integriert werden. Ausgelöst durch die Fortschreibung des Hochschulentwicklungsplans und im Einklang mit dem Bildungsauftrag von Hochschulen, einen aktiven Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten, rückten beispielsweise die Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Internationalisierung in den strategischen Fokus. Zur Operationalisierung der strategisch gesetzten Themen werden gemeinsame Referenzrahmen benötigt, die eine einheitliche Interpretation der Themen ermöglichen und die curriculare Weiterentwicklung unterstützen.
Ein solcher Referenzrahmen kann in Form eines Frameworks bereitgestellt werden. Unter einem Framework wird ein Instrument verstanden, das strategische Themen strukturiert beschreibt und als Grundlage für Reflexions- und Entwicklungsprozesse in Studiengängen dient. An der FH Aachen wurde hierfür z.B. ein Framework-Fragebogen als Self-Assessment-Instrument entwickelt, der Fachbereiche bei der Reflexion ihrer Studiengänge unterstützt. Es stellt eine gemeinsame Definition der strategischen Themen bereit und ist eingebettet in den Framework-Prozess, der zur Weiterentwicklung der strategischen Themen in den Studiengängen dient. Das hier beschriebene Pattern wird eingesetzt im Rahmen eines solchen Framework-Prozesses.
Problem
Ein zentrales Problem bei der Integration strategischer Themen in Studiengänge ist das fehlende gemeinsame Verständnis über Begrifflichkeiten, Implikationen und konkrete Bedarfe. Dadurch fehlt eine gemeinsame Ausgangsbasis für zielgerichtete Entwicklungsprozesse und die Ableitung curricular verankerter Maßnahmen.
Wirkkräfte
Das individuelle Ausfüllen der Framework-Fragebögen mit einer anschließenden Präsentation der Fragebogenergebnisse führt zu einem defizitären Blick auf die Themen im Studiengang und hemmt eine innovative Ideengenerierung. Das zeigte sich in der ersten Pilotierungsphase des Framework-Prozesses.
Es mangelt an geeigneten, strukturiert moderierten Austauschformaten, in denen Lehrende disziplinübergreifend gemeinsam reflektieren können, welche Konsequenzen strategisch gesetzte Themen für die Inhalte, Kompetenzen, Lehr- und Prüfungsformate ihrer Fächer und Studiengänge haben.
Im Lehralltag bleibt kaum Zeit, um gemeinsam über curriculare Ziele, zukünftige Anforderungen oder strategische Schwerpunkte nachzudenken. Reflexion ist oft individuell, nicht kollektiv; ein gemeinsames Verständnis entsteht selten ohne moderierte Formate.
Es fehlen strukturierte Gelegenheiten, um Beiträge verschiedener Module und Fächer aufeinander abzustimmen und gemeinsame Entwicklungsbedarfe im Curriculum zu identifizieren. Entwicklungsprozesse erfolgen daher häufig isoliert auf Modulebene, ohne eine systematische Gesamtperspektive auf den Studiengang. Lehrende kennen die Inhalte und Ansätze anderer Module oft nicht und haben den Studiengang als Ganzes nur begrenzt im Blick. Dadurch bleiben Überschneidungen, Lücken und konkrete Entwicklungsbedarfe häufig unklar. Zudem existieren viele Ansätze bereits als „gelebte Praxis“, sind jedoch weder in Studiengangszielen dokumentiert noch systematisch reflektiert.
Lehrende priorisieren Lehre und Forschung. Strategische Curriculumentwicklung wird dadurch häufig nachrangig behandelt, punktuell umgesetzt oder nicht als gemeinschaftliche Studiengangsaufgabe verstanden.
Lösung
In Framework-Foren, einem strukturierten dialogbasierten Austauschformat, werden strategische Themen entlang des Framework-Fragebogens (oder anderer Reflexions-/Referenzrahmen) gemeinsam im Fachbereich reflektiert und diskutiert.
Ziel ist zunächst die Verständigung über Begriffe, Ziele und Bedarfe: Die strategischen Themen werden in den Köpfen der Beteiligten präsent gemacht, aktiviert und in ihrer Bedeutung für den Fachbereich gemeinsam geklärt.
Details der Lösung
Die Lösung wird am Beispiel der Framework-Foren gezeigt, wie sie an der FH Aachen umgesetzt werden. Sie sind Teil eines im Pattern „Der Framework-Prozess: ein Handlungsrahmen zur Integration strategischer Themen in die Curriculumentwicklung“ beschriebenen Framework-Prozesses, in dem auch die beteiligten Personen und Rollen benannt und definiert werden. Die Framework-Foren markieren den Auftakt dieses Prozesses und bilden für viele Lehrende den ersten Berührungspunkt mit dem Strategieprozess der Hochschule.
Vorbereitung: Hochschuldidaktiker:innen aus dem Team Curriculumsentwicklung vom ZHQ (Zentrum für Hochschuldidaktik und Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre an der FH Aachen) informieren zunächst das Dekanat sowie Studiengangsleitungen und anschließend alle Lehrenden eines Fachbereichs (z.B. in einer Kolleg:innenrunde oder Fachbereichsrat) über den Ablauf der Foren und stellen den Framework-Fragebogen vor.
Für jedes Schwerpunktthema – Digitalisierung, Internationalisierung und Nachhaltigkeit – findet ein 90-minütiges Framework-Forum statt, zu dem das Dekanat Lehrende und Studierende des Fachbereichs einlädt. Um eine höhere Teilnahme zu ermöglichen, finden Foren meist in Räumen des Fachbereichs und in Zeiträumen statt, in denen ein Großteil des Kollegiums anwesend sein kann.
Der Framework-Fragebogen umfasst aktuell insgesamt 36 einzelne Fragen (Items), die sich auf die strategischen Themen verteilen. Sie sind in drei wiederkehrende Kategorien gegliedert – curriculare Lernziele, Lehrmethoden und -formate sowie Strategie & Kultur – und beschreiben jeweils einen angestrebten Optimalzustand.

Die drei Foren werden in Tandems von Hochschuldidaktiker:innen des Curriculumsentwicklungsteams und Themenberater:innen des EIN-Teams vorbereitet, moderiert und fachlich begleitet. Das EIN-Team steht dabei für die Strategiethemen E-Learning/Digitalisierung, Internationalisierung und Nachhaltigkeit. Sie unterstützen die Lehrenden dabei, Ideen und Methoden dieser Strategiethemen für die eigene Lehre und den jeweiligen Fachbereich zu reflektieren, gute Umsetzungsbeispiele einzubringen und so eine Grundlage für ein gemeinsames Verständnis zu schaffen.Außerdem kann eine Frameworkpatin bzw. ein Frameworkpate, (Studiendekan:innen, die an der Entwicklung des Fragebogens beteiligt waren) und für das Strategiethema und seine Wichtigkeit im Hochschulkontext einsteht, an den Diskussionsrunden teilnehmen und Fragen beantworten.
Ablauf Frameworkforen (90 Minuten pro Forum/Strategiethema)
- Plädoyer Frameworkpat:in: Eine Studiendekanin bzw. ein Studiendekan aus dem Entwicklungsteam des Frameworks erläutert in knapper Form die Entstehung des Fragebogens, ordnet die Bedeutung des Strategiethemas ein und weist auf zentrale Punkte hin, die bei der weiteren Reflexion eine Rolle spielen. Die Person eignet sich für das Plädoyer, weil sie als Professor:in der eigenen Hochschule eine vertraute und glaubwürdige Stimme mitbringt, eine fachlich nahestehende Perspektive einnimmt, seit längerem intensiv zum Thema arbeitet und zudem Hintergründe zum strategischen Gesamtprozess vermitteln kann.
- moderierte Plenumsdiskussion: Jedes Item des Frameworks zu einem Strategiethema wird nacheinander von der/dem Themenberater:in vorgelesen und jeweils für etwa fünf Minuten gemeinsam diskutiert, idealerweise im Plenum mit allen Lehrenden und Studierenden eines Fachbereichs. Im Mittelpunkt der Diskussion steht dabei die gemeinsame Klärung, wie der Fachbereich derzeit aufgestellt ist, welche Aspekte bereits umgesetzt werden und wo konkrete Entwicklungs- und Verbesserungspotenziale bestehen. Ein/e Mitarbeitende/r des Teams Curriculumsentwicklung hält die zentralen diskutierten Punkte auf Moderationskarten fest. Diese dienen später als Grundlage, um zu bestimmen, welche Themen der Fachbereich im Workshop weiter vertiefen und in konkrete Ideen überführen möchte. Der Fragebogen kann begleitend oder auch im Anschluss an den Austausch individuell durch Ankreuzen von Antwortmöglichkeiten beantwortet werden. Die Ergebnisse dieser Einzelrückmeldungen erhält der Fachbereich nach Abschluss aller Foren zur eigenen Weiterarbeit; sie fließen nicht in den nachgelagerten Workshop ein.
- Zusammenfassung und Priorisierung: Im Anschluss an die Diskussion aller Fragebogenitems eines Strategiethemas werden die gesammelten zentralen Punkte der Diskussion von den hochschuldidaktischen Mitarbeitenden gebündelt und die für den Fachbereich zentralen Themen herausgefiltert, an denen im FrameWORKshop und der Curriculumswerkstatt gezielt weitergearbeitet wird. Zur Priorisierung kann beispielsweise eine einfache Punktabfrage genutzt werden, bei der die Teilnehmenden (Klebe-)Punkte vergeben, um sichtbar zu machen, welche Themen aus ihrer Sicht Vorrang haben.
Im Anschluss an die Framework-Foren findet häufig ein FrameWORKshop (ein an der FH Aachen genutzter Begriff für einen Workshop zur Themenpriorisierung und Ideenfindung) sowie die Curriculumswerkstätten statt (siehe Pattern zum Framework-Prozess).
Stolpersteine
Nicht alle Beteiligten halten die strategischen Themen in gleicher Weise für relevant für ihre Fachdisziplin oder ihren Studiengang. Als ausgleichende Lösung könnten die Teilnehmenden selbst wählen, zu welchen Foren und damit verbundenen Strategiethemen sie etwas beitragen möchten und wo ihre Expertise oder ihr Interesse am besten eingebracht werden kann.
Eine weitere Lösung könnte sein, bereits vor Beginn des Prozesses Lehrende mit besonderem Interesse oder Expertise zu den strategischen Themen als Fürsprecher:innen zu gewinnen. Sie können fachliche Anknüpfungspunkte aufzeigen, die Relevanz der Themen für das jeweilige Fachgebiet verdeutlichen und die Framework-Foren sowie die anschließenden Workshops als Sparringspartner:innen begleiten. Durch ihre Verankerung in der Fachcommunity fördern sie die Akzeptanz der Themen im Kollegium.
Manche Lehrende empfinden die Orientierung an den strategischen Entwicklungszielen als Einschränkung ihrer inhaltlichen Freiheit oder als zusätzliche Belastung. Hier hilft es, klar zu kommunizieren, dass die Foren in erster Linie Reflexionsräume bieten.
Wenn die Dekanate und Studiengangsleitungen kooperativ, offen und unterstützend auftreten, stärkt dies die Legitimation des Prozesses. Fehlt diese Unterstützung, müssen die Moderationen häufig gegen implizite oder explizite Widerstände zum Strategieprozess oder den Themen anarbeiten, was die Moderation herausfordern, den Austausch hemmen und das Finden eines gemeinsamen Verständnisses erschweren kann.
Folgen (Vorteile, Nachteile)
Vorteile
- Die Foren ermöglichen es, die im Fragebogen strukturierten Items gemeinsam in den Blick zu nehmen und dadurch komplexe strategische Themen entlang der Kategorien Lernziele, Lehrmethoden sowie Strategie & Kultur kollegial zu erschließen und diskutierbar zu machen.
- Sie schaffen seltene, aber notwendige Räume für Austausch, Verständigung und strategische Weiterentwicklung in der Breite des Kollegiums.
- Der Ablauf der Framework-Foren ist klar strukturiert und mit 90 Minuten pro Thema zeitlich überschaubar. Die kompakte Taktung ermöglicht es, viele Themen in kurzer Zeit zu bearbeiten, ohne die Beteiligten übermäßig zu belasten. Zugleich entstehen durch die abgeschlossenen Arbeitseinheiten schnell sichtbare Ergebnisse und Erfolgserlebnisse.
- Die Foren bringen ein gemeinsames Begriffs- und Problemverständnis zu den Strategiethemen hervor. Es entsteht ein geteiltes Verständnis von Entwicklungsrichtungen und eine stärkere Verantwortungsgemeinschaft.
- Die Foren machen transparent, was im Kollegium bereits passiert. Dies verhindert Doppelentwicklungen und stärkt eine Kultur der kollegialen Inspiration.