Kontext
Die Anforderungen an hochschulische Lehre verändern sich kontinuierlich. Hochschulen verfügen für die Lehrentwicklung über hochschul- und mediendidaktische Unterstützungsstrukturen, deren personelle Ausstattung jedoch häufig begrenzt ist und oftmals durch Drittmittelprojekte ergänzt wird. In diesen Projekten ist die Personalfluktuation oft hoch, Mitarbeitende bringen heterogene fachliche Hintergründe und unterschiedliche hochschuldidaktische Vorerfahrungen mit. Das Pattern beschreibt eine Lösung für Personen, die hochschuldidaktische Einrichtungen oder Projekte auf operativer Ebene leiten.
Problem
Hochschuldidaktische Einrichtungen und Projekte stehen vor der Herausforderung eine gleichbleibend hohe Qualität ihrer Qualifizierungsangebote für Lehrende zu gewährleisten und hochschul- und mediendidaktisch Mitarbeitende hierfür mit geringem Ressourcenaufwand zu professionalisieren.
Wirkkräfte
- Hochschuldidaktisch Tätige (insbesondere in Drittmittelprojekten sowie Einsteiger*innen) haben aufgrund ihres oft heterogenen fachlichen Hintergrundes ein unterschiedliches Maß an Vorwissen, heterogene Erfahrungen und Kompetenzen.
- Sie sollen möglichst schnell (Projektlogik) hochwertige hochschul– und mediendidaktische Angebote für unterschiedliche Zielgruppen erarbeiten. Diese Angebote für Lehrende müssen eine hohe didaktische Qualität aufweisen – nicht nur um wirksam zu sein, sondern auch wegen ihrer Modellfunktion für Lehr-Lernszenarien in der akademischen Lehre.
- Sie sind dafür jedoch teilweise nicht hinreichend qualifiziert. Eine systematische Professionalisierung ist oftmals nicht vorgesehen bzw. stehen dafür nur wenige oder keine zeitlichen Kapazitäten zur Verfügung.
Lösung
Die Professionalisierung hochschuldidaktisch Tätiger erfolgt „on the Job“ und ist in Maßnahmen zur Qualitätssicherung hochschuldidaktischer Angebote integriert. Das Professonalisierungskonzept strukturiert die Kompetenzentwicklung der hochschuldidaktisch Tätigen entlang zentraler Aufgaben bei der Konzeption und Weiterentwicklung von Qualifizierungsangeboten.
Den Ausgangspunkt bildet die kollegiale Diskussion und Weiterentwicklung von Qualitätskriterien für hochschuldidaktische Angebote. Darauf aufbauend vollzieht sich die weitere Kompetenzentwicklung in einem Qualitätskreislauf aus Bedarfsanalyse, didaktischem Design, Durchführung und Evaluation. Unterstützt wird dieser Prozess durch einen Selbstlernkurs und regelmäßige Feedbackschleifen, die sowohl die individuelle und kollegiale Kompetenzentwicklung fördern als auch die Qualität der Angebote sichern.
Details der Lösung
(1) Durch die kollaborative Diskussion und Weiterentwicklung von Qualitätskriterien für unsere hochschuldidaktischen Angebote, etablieren wir Standards. Grundlage sind Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd, 2005, dghd, 2013, AKKO, 2019) sowie Erkenntnisse aus der Lehr-Lernforschung und der hochschuldidaktischen Forschung. Die Qualitätskriterien werden regelmäßig im Team reflektiert und ggf., z.B. aufgrund von empirischen Erkenntnissen, überarbeitet. Neue Mitarbeitende werden im Onboarding-Prozess in die Qualitätskriterien eingearbeitet und in die Überarbeitungsprozesse eingebunden. Im Erarbeitungsprozess erwerben die hochschuldidaktisch Tätigen zugleich grundlegendes hochschuldidaktisches Wissen.
(2) Regelmäßige Bedarfsanalysen der Zielgruppen bilden die Grundlage für die Gestaltung von Inhalten und Formaten hochschuldidaktischer Angebote. Dadurch wird eine zielgruppen- und bedarfsorientierte Ausrichtung der Angebote unterstützt. „Regelmäßigkeit“ umfasst dabei sowohl zyklische Erhebungen im Rahmen kontinuierlicher Qualitätsentwicklung als auch anlassbezogene Analysen, etwa bei technologischen Veränderungen. Zur Erfassung von Bedarfen können qualitative und quantitative Verfahren zum Einsatz kommen, z.B. leitfadengestützte Interviews, Fokusgruppeninterviews oder standardisierte Online-Befragungen. Die methodische Gestaltung sollte sich an den Zielen der Erhebung und den Rahmenbedingungen orientieren. In unserer Einrichtung erfolgte zunächst eine umfassende qualitative Bedarfserhebung an allen Standorten mittels Einzelinterviews (vgl. unsere Veröffentlichung). Die Entwicklung des Leitfadens sowie Kodierung und Auswertung wurden kollaborativ durchgeführt. Dieses Vorgehen ermöglichte die Erhebung eines differenziertes Bildes der Bedarfe verschiedener Akteursgruppen (Lehrende, Hochschulleitungen, Studierende) und diente zugleich als Reflexions- und Dialoganlass sowie als argumentatives Fundament für programmatische Entscheidungen. Der hohe Ressourcenbedarf stellte jedoch eine wesentliche Einschränkung dar. Drei Jahre später wurde eine zweite Bedarfserhebung in Form einer Online-Befragung mit offenen Fragen durchgeführt. Diese war deutlich ressourcenschonender, die Erkenntnisse gingen jedoch nicht vergleichbar in die Tiefe. Rückblickend erscheint der dreijährige Abstand angesichts dynamischer technologischer Entwicklungen möglicherweise zu groß. Die optimale Balance zwischen Aufwand, Aktualität und Aussagekraft haben wir noch nicht gefunden.
(3) Bereitstellung eines Weiterbildungsangebots in Form eines Selbstlernkurses, der es ermöglicht, in einem schrittweisen Prozess hochschuldidaktische Angebote zu konzipieren. Hochschuldidaktisch Tätige können den Kurs durchlaufen und sukzessive an der Erstellung eines didaktischen Konzepts für hochschuldidaktische Angebote für Lehrende arbeiten und dabei theoretische Grundlagen in die Praxis transferieren.
(4) In regelmäßigen Arbeitstreffen der hochschul- und mediendidaktischen Mitarbeiter*innen (zweiwöchentlich) ist jeweils Zeit für systematisches kollegiales Feedback vorgesehen. In Feedbackschleifen werden die didaktischen Konzepte und entwickelten Angebote gemeinsam weiterentwickelt. Dies fördert die individuelle und zugleich die kooperative Kompetenzentwicklung und Professionalisierung.
(5) Die Adressaten der Angebote werden durch eine systematische Evaluation eingebunden. Hierfür bekommen die hochschuldidaktisch Tätigen einen Fragebogen und einen Ablaufplan für eine Prä-Post-Evaluation zur Verfügung gestellt und können ihre Angebote angelehnt an die Evaluationsergebnisse weiterentwickeln. Die Ergebnisse sollen im Team und wenn möglich auch mit der hochschuldidaktischen Community geteilt werden.
Folgen (Vorteile, Nachteile)
Vorteile:
- Auf Ebene der hochschuldidaktisch Tätigen:
Die vorgestellte Lösung unterstützt hochschuldidaktisch Tätige dabei, ihr hochschuldidaktisches Grundwissen und ihre hochschuldidaktischen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Darüber hinaus fördert sie kollaborative Reflexions- und Selbstreflexionsprozesse. Durch die Integration von empirischen Ansätzen (Bedarfsanalyse, Evaluationen) werden eine forschungsorientierte Grundhaltung sowie analytische Kompetenzen der Beteiligten gestärkt. - Auf Angebotsebene:
Durch die Lösung wird die zielgruppen- und bedarfsorientierte Entwicklung der Angebote und eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung unterstützt. Durch die Evidenzorientierung wird die Passung zwischen Angeboten und Bedarfen und die Wirksamkeit der Maßnahmen gestärkt. - Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Kompetenzentwicklung on the job in bestehende Arbeitsprozesse integriert ist und somit geringe zusätzliche zeitliche Ressourcen aufgewendet werden müssen. Die Lösung verbindet somit Qualitätsentwicklung hochschuldidaktischer Qualifizierungsangebote mit individueller und gemeinsamer Kompetenzentwicklung der hochschuldidaktisch Tätigen.
Nachteile:
- Bisher keine wissenschaftliche Untersuchung des Ansatzes.
- Der Prozess ist in der Angebotsentwicklung integriert, benötigt aber dennoch zusätzliche zeitliche Ressourcen. Insbesondere Bedarfserhebungen können sehr aufwendig werden, je nach Methodenwahl und Umfang.