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Open Pattern Tool for Higher Education Research and Practice - PatternPool ISSN 2628-829X

Storytelling als Mittel zur guten wissenschaftlichen Praxis

Dieses Vorgehen hilft den Studierenden, sich die Bedeutsamkeit von Wissenschaft für den Wissenschaftsprozess, für sich selbst und für die Gesellschaft auf narrative Art und Weise zu vergegenwärtigen. Das Storytelling ermöglicht ein Erlernen der Techniken wissenschaftlichen Arbeitens und steigert darüber hinaus die Sensibilität, das Urteilsvermögen und die Motivation der Studierenden in Bezug auf verlässliche Wissenschaft.

Metadaten

  • Autoren/-innen: Prieß-Buchheit, Julia, Valeva, Milena
  • Mentoren/-innen: Ivo van den Berk
  • DOI: Keine DOI zugeordnet
  • ISSN: 2628-829X
  • CC-Lizenz: CC-BY (Bearbeitung erlaubt unter Namensnennung)
  • Zitiervorschlag:
    Prieß-Buchheit, Julia / Valeva, Milena (2021): Storytelling als Mittel zur guten wissenschaftlichen Praxis. PatternPool. doi: noch nicht zugeteilt.

Problem

Viele Studierende haben Schwierigkeiten, einen Zugang zu Wissenschaft und redlicher Wissenschaftspraxis zu bekommen. Insbesondere bleibt ihnen die Bedeutung des wissenschaftlichen Arbeitens verborgen, da die übergeordnete Sinnhaftigkeit von Wissenschaft nicht im Fokus ihrer regulären fachbezogenen Lehrveranstaltungen steht.

Anlass für die Entwicklung meiner erprobten Lehrpraxis war:

  • Akutes Defizit bzw. akuter Konflikt
  • Bestehendes bzw. strukturelles Problem
  • Persönliches professionelles Anliegen

Lösung

In interdisziplinären projektorientierten Lehrveranstaltungen lernen Studierende mit Hilfe der Methode Storytelling wissenschaftliches Handeln auszuführen und ihre Aufmerksamkeit auf das Thema gute wissenschaftliche Praxis und wissenschaftliche Integrität zu richten.

Zusammenfassung in einem Satz

Details

Die Studierenden erhalten die Aufgabe, zum Abschluss des Seminars eine positive Lehrgeschichte für Schüler:innen der Oberstufe zu entwickeln und diese vor den Schüler:innen vorzutragen. In dieser positiven Lehrgeschichte wird die Bedeutung verlässlicher Wissenschaft und guter wissenschaftlicher Praxis herausgearbeitet. Durch die Anwendung der Storytelling Methode erkennen die Studierenden die hohe Praxisrelevanz dieses Themas.
In einem ersten Schritt gewähren die Dozierenden Einblicke in die Geschichte und in die Methoden der Wissenschaften. Dabei wird auf verlässliche Wissenschaft und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen eingegangen. Darauf aufbauend wird wissenschaftliches Fehlverhalten aus unterschiedlichen Disziplinen beleuchtet. Studierende recherchieren selbst nach Fehlverhalten in der Forschung. Aus den gesammelten Beispielen leiten die Studierenden Kriterien für redliches wissenschaftliches Arbeiten ab und diskutieren diese vor dem Hintergrund internationaler und nationaler Standards für wissenschaftliche Integrität (z.B. ALLEA 2017) bzw. guter wissenschaftliche Praxis (z.B. DFG 2019).
Im zweiten Teil der Lehrveranstaltungen denken sich die Studierenden in Gruppen von 3-5 Personen fiktive (positive und negative) Beispiele aus, schreiben diese auf und präsentieren diese. Dies geschieht auf Basis der zuvor durch die Dozierenden zur Verfügung gestellten Grundlagen zum Storytelling.
Zum Abschluss entwickeln die Teams eine positive Lehrgeschichte für Schüler:innen der Oberstufe. In diesen Geschichten soll die Bedeutung redlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse deutlich werden. Die Lehrgeschichte wird den Schüler:innen der Oberstufe vorgetragen.
(Zur Methode des Storytellings für den Bereich wissenschaftliche Integrität kann folgende Literatur empfohlen werden: Grose-Fifer, J. (2017). Chapter 15: Using Role-Play to Enhance Critical Thinking about Ethics in Psychology. In Obeid, R., Schwartz, A., Shane-Simpson, C., Brooks, P. J. (Ed.), How We Teach Now: The GSTA Guide to Student-Centered Teaching (pp. 213–223); Löfström, E. (2016). Role-playing institutional academic integrity policy-making: Using researched perspectives to develop pedagogy. International Journal for Educational Integrity, 12(1), 235. https://doi.org/10.1007/s40979-016-0011-0; McWilliams, V., & Nahavandi, A. (2006). Using Live Cases to Teach Ethics. Journal of Business Ethics, 67(4), 421–433. https://doi.org/10.1007/s10551-006-9035-3; Poling, D. A., & Hupp, J. M. (2009). Active Learning Through Role Playing: Virtual Babies in a Child Development Course. College Teaching, 57(4), 221–228. doi.org/10.1080/87567550903218703 ; Poorman, P. B. (2002). Biography and Role Playing: Fostering Empathy in Abnormal Psychology. Teaching of Psychology, 29(1), 32–36. https://doi.org/10.1207/S15328023TOP2901_08 , Nussbaum, M. C. (1990). Love's knowledge: Essays on philosophy and literature. New York: Oxford University Press.)

Das Pattern ist erprobt worden in:

  • Seminar
  • Projekt

Meine Lösung hat primär damit zu tun:

  • Studierende methodisch darin zu unterstützen, sich Inhalte (allein oder in der Gruppe) anzueignen, diese zu reflektieren, zu verstehen, anzuwenden, weiterzuentwickeln, selbst zu generieren etc.
  • Dass ich als Lehrender mit den Studierenden in Kontakt komme und in Interaktion trete (Feedback, Kommunikation etc.)
  • Die Lehrorganisation zu verändern, die für die Beziehung zwischen Inhalten, Studierenden und mir als Lehrender von Bedeutung ist.

Meine erprobte Lehrpraxis steht zur Forschung in folgender Beziehung:

  • Forschung ist das Ziel der Lehrmaßnahme, sodass Studierende das Hand- und Denkwerkzeug für eigene Forschungsaktivitäten einüben
  • Forschung ist der Modus der Lehrmaßnahme, sodass Studierende selbst in irgendeiner Form forschend tätig werden und Forschungsergebnisse generieren
  • Die Lehrmaßnahme dient dazu, die Voraussetzung für forschungsnahes Lernen zu schaffen.

Digitale Medien spielen in meiner Lösung:

  • Keine nennenswerte Rolle (bspw. primär Präsenzlehre).
  • Eine gewisse bzw. mäßige Rolle (bspw. hybrides Lehrformat).

Das Pattern fördert primär:

  • Produktive Aktivitäten (dienen der Schaffung eigener Inhalte)
  • Organisatorische Aktivitäten (dienen der Koordination, Vernetzung u.ä.)

Kontext

Die Studierenden müssen im Rahmen des Coburger Wegs interdisziplinäre Module als Projekte mit Anwendungsbezug durchlaufen. In diesem Rahmen werden Studierende aus unterschiedliche Fachdisziplinen zusammengeführt, um an einem fachübergreifenden Thema zu arbeiten.

Das Modul "Wissenschaftsavatar/-influencer" umfasst zwei Semester und fokussiert das Thema verlässliche Wissenschaft bzw. gute wissenschaftliche Praxis. Studierende werden mit Hilfe der Storytelling Methode an gute wissenschaftliche Praxis herangeführt. Dabei werden
a) die Technik des Storytellings und Inhalte guter wissenschaftlicher Praxis im ersten Semester mit den Studierenden erarbeitet und
b) Sensibilität, Urteilsvermögen, sowie Motivation der Studierenden im zweiten Semester durch das Erstellen und Vortragen einer eigenen Story für Schüler:innen der Oberstufe gesteigert.

Die Reflexion, ob/wie die Geschichte von den Adressat:innen angenommen wurde, erfolgt als Prüfungsleistung im zweiten Semester im Rahmen eines schriftlichen Berichts. Das Seminar wird im Co-Teaching gelehrt.

Das Pattern ist erprobt worden an:

  • Fachhochschule

Das Pattern ist in folgender Disziplin (oder mehreren) zu verorten:

  • Explizit interdisziplinäre Bereiche

Die Zielgruppe des Patterns besteht primär aus:

  • Studienanfängern
  • Fortgeschrittenen Studierenden im Bachelor (oder im ersten Studienabschnitt)
  • Studierenden im Masterstudium (oder im zweiten Studienabschnitt)

Folgen

Vorteile:
- Sensibilisierung für den kritischen Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen
- Sensibilisierung für die gesellschaftliche Bedeutung von Wissenschaft
- Sensibilisierung für die eigene wissenschaftliche Tätigkeit
- Vorberereitung und Motivation für wissenschaftliches Arbeiten
- Lerntaxonomie nach Bloom wird gänzlich berücksichtigt (Create/ Evaluate/ Analyze/ Apply/ Understand/ Remember)
- Förderung von Fach-/ Sozial-/ Kommunikation- und Methodenkompetenzen

Nachteile:
- sehr betreuungsintensiv durch das Coaching
- zeit- und ressourcenintensiv
- die Methode ist wenig bekannt und manchen Studierenden fällt es schwer, sich darauf einzulassen

Kräfte

Grundsätze und Regelsysteme der guten wissenschaftlichen Praxis und der wissenschaftlichen Integrität sind für Studierende nur schwer zugänglich, da ihnen die Einsicht in die weitreichende Bedeutung von Wissenschaft im gesellschaftlichen Rahmen fehlt. Deshalb können sie die Notwendigkeit für wissenschaftliches Arbeiten sowie das Prinzip wissenschaftlicher Integrität (noch) nicht erkennen. Studierende besitzen aufgrund ihrer geringen Erfahrung (noch) urteilslose Vorstellungen in Bezug auf die “gesellschaftliche Relevanz des redlichen wissenschaftlichen Arbeitens” sowie in Bezug auf die „Notwendigkeit von Standards in der globalen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft”.

Welche widersprüchlichen Anforderungen spielen in Ihrer bewährten Lehrpraxis eine Rolle?

  • Selbst- und Fremdorganisation
  • Analoge und Digitalen Erfahrungswelten
  • Individuelles und soziales Lernen
  • Fachliche und überfachliche Kompetenzentwicklung

Beispiele/ Weiterführende Informationen

Dokumente/ Anhänge

  • Es wurden keine Anhänge hinterlegt.

Weiterführende Literatur

PRIEß-BUCHHEIT, J. (2020) Path2Integrity Learning Cards: First Year Experiences of an Educational Programme to Foster Research Integrity in Europe, EDUKACJA, S. 54-66.
Priess-Buchheit, Julia. (2021, February 16). Learning Card For Research Integrity (S05). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3965679. (Auch auf Deutsch verfügbar.)
Priess-Buchheit, Julia. (2021, January 12). Learning Card For Research Integrity (S0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4441315. (Auch auf Deutsch verfügbar.)
Priess-Buchheit, Julia. (2021, February 16). Learning Card For Research Integrity (S01). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3965658. (Auch auf Deutsch verfügbar.)
Priess-Buchheit, Julia. (2021, February 16). Learning Card For Research Integrity (S02). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3965664. (Auch auf Deutsch verfügbar.)

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